FM14

Parallelseminar 7
«Diese ganze Situation war für mich kaum mehr zu ertragen»

S. Wolf (Zürich)


Hintergrund

Unheilbare Erkrankungen von Menschen bedrohen das Gleichgewicht des ganzen Familiensystems und stürzen die Angehörigen oft in eine Krise.

Ziel

In der Abschlussarbeit in Palliative Care B2 wurden die wichtigsten Herausforderungen und Chancen der Angehörigen herausgearbeitet. 

Methode

Es wurden zehn strukturierte Interviews mit betroffenen Angehörigen geführt.

Resultate

Angehörige fühlen sich oft nicht richtig oder zu spät in das Geschehen rund um den Patienten einbezogen und selber zu wenig unterstützt. Im «emotionalen Trauma» nach der Diagnose erleben Angehörige nicht nur akzeptierte Gefühle wie Mitleid, sondern auch negativ besetzte Gefühle wie Wut. Letztere vermögen sie oft kaum wahrzunehmen und auszudrücken, was den konstruktiven Umgang mit der Situation erschwert. Angehörige empfinden es als äusserst schwierig bzw. egoistisch, sich abzugrenzen und eigene Bedürfnisse anzubringen. Dies führt dazu, dass sie ihre Kräfte nicht optimal einteilen können und Gefahr laufen auszubrennen. Beziehungskonflikte und familiäre Auseinandersetzungen nehmen zu, weil Menschen in Krisenzeiten leicht in alte Kommunikations- und Beziehungs­muster verfallen. Die Veränderung im Bereich Zärtlichkeit und Sexualität erleben viele als schmerzlich und sie hätten sich professionelle Unterstützung gewünscht. Eine spezifische Sorge der Angehörigen gilt dem Lebensende. Sie haben Angst, dass der Patient unter Schmerzen, Übelkeit oder Atemnot leiden muss. Im Falle der Urteilsunfähigkeit des Patienten fühlten sich viele Angehörige völlig überfordert, wenn sie eine Entscheidung ohne Kenntnis des Willens treffen mussten.

Diskussion

Angehörige brauchen Fachpersonen, welche ihre Bedürfnisse frühzeitig wahr- und ernst nehmen, sie informieren sowie stärken. Als Instrument können interprofessionelle Familiengespräche genutzt werden. Themen wie Sexualität/Zärtlichkeit und «Advanced Care Planning» standardmässig anzusprechen, enttabuisiert und kann emotional entlasten. Um das Thema «Sexualität/Zärtlichkeit» abzudecken, braucht es eventuell spezialisierte Fachpersonen.

Schlussfolgerung

Als Voraussetzung für diese umfassende Betreuung der Angehörigen müssen Fachpersonen gezielt in Palliative Care wie auch «Family Care» geschult werden. Institutionen müssen die Angehörigen als wichtige Partner und als Ressource der betroffenen Patienten (an)erkennen. Bei Bedarf müssen Betreuungsangebote für die Angehörigen neu oder weiterentwickelt werden.

    	
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